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Wind in den Schatten
#11

Mit der üblichen Bedachtsamkeit der Bürokraten wurde Luca empfangen – nicht unfreundlich, aber auch nicht aus der Fassung gebracht. Eine Weile wurden Dokumente abgeglichen, das Anliegen genau schriftlich festgehalten, bevor die Kapitänin in eine Empfangshalle zum Warten vorgeführt wurde.
Wie viel galt ihr einstiger Titel noch? Die Fürstin war immerhin als Verräterin von ihrem Vater selbst gehängt worden und unter dem Sohn sollte es einige Reformen geben, um solch eine Unterwanderung niemals wieder zu erlauben. Womöglich war gar ihre frühere Ehrung eher ein Hindernis.
Aber es war zu spät, sich jetzt noch Gedanken dazu zu machen und zu zaudern. Es mochte Luca wie eine Ewigkeit vorkommen, aber tatsächlich kam sie, wenn man bedachte, dass sie keine langwöchige Voranmeldung getätigt hatte, relativ früh in die Hallen des jüngsten Fürsten Andreas. Auf seinem Herrscherthron saß er und lauschte Lucas Bericht, zunächst ungerührt, das Kinn auf die Faust gestützt. Ein paar Berater standen ihm zur Seite, die ab und wann etwas zuflüsterten.
Lucas Redekunst war entweder nicht so ausgeprägt, wie sie hoffte, oder aber war nicht geeignet am Hofe zu glänzen und eher für die raubeinigen Seebären abgestimmt. Zumindest war keiner sogleich sichtlich hingerissen und alarmiert. Entsprechend konnte sie beinahe ihr eigenes Zähnemahlen hören, als die Augenblicke verstrichen in zähen Tropfen. Endlich aber richtete sich Fürst Andreas Thensen an die Kapitänin.
»Es ist bedauerlich, dass die meisten Eurer Glanztaten in der Regierungszeit Unserer Schwester geschahen. Wie Ihr wohl wisst, liegt ein nicht zu tilgender Schatten über jener Epoche, die Wir gedenken hinter Uns zu lassen.«
Eine kurze Sprechpause, während der Fürst auf goldenes Kelchsymbol, das seinen Thron zierte, mit einem fast meditativen Blick bedachte.
»Aber Wir wollen die Unzulänglichkeiten Anderer nicht gegen Euch halten. Valgard ist eine Sorge – ihr Aufstreben zur Macht ist binnen kürzester Zeit mit erstaunlichen Fortschritten gesegnet gewesen. Insofern kommt Uns diese Unterbrechung durchaus gelegen.«
Abermals ein längeres Schweigen, da die Höflinge sich dem Stadtherrscher zuwandten.
»Aber Wir erkennen durchaus die Notwendigkeit Eurer Schilderungen, die zu Taten drängen. Wir können keine offenen Bündnisse hier und jetzt nun beschließen. Ihr kennt selbst die alten und neuen Verbrechen Valgards. Die Bevölkerung würde sich gegen Uns wenden, verhandelten Wir Usurpatoren der Gnomenlande. Aus Weitsicht mag es aber geschuldet sein, einstweilen gegen denselben Feind von Frieden und Ordnung vorzugehen.«
Ein Wink zu einem Schreiberling, der sogleich hervortrat und Siegel sowie Wachs bereit hielt.
»Nehmt diesen Diplomatenbrief, der sollte eine Unterredung mit den Führern Valgards mit Mîrhavens Segen erlauben und das nötige Gewicht beilegen. Sollten diese Piraten Erfolg bei Valgard verzeichnen, könnten sie schließlich auch Mîrhavens Prosperität noch mehr beeinträchtigen als bislang. Und einen weiteren Inselanteil wie die verfluchten Elfenauen halten Wir ebenso für nicht hinzunehmen.«
Das Wachs tropfte, das Siegel wurde abgewälzt, um den Bescheid zu autorisieren. Der Schreiberling trat zu Luca und überreichte ihr mit leichter Verneigung das Diplomatsschreiben, ehe sie mit einem Wink entlassen wurde.

Gemeinsam war man zum Leuchtturm gereist, der von einem unseligen Nebel umhüllt war. Das Licht, welches eigentlich sichere Fahrt gewährleisten sollte, wirkte blass und gespenstisch dieser Stunde. Luca erkannte bei ihrem Nachreisen diesen Nebel, der Griffos Ogerschiffe bereits zuvor umspielt hatte bei seiner Hetzjagd nach ihr und ihrer Mannschaft.
Wie sie erfahren hatten, kampierte der korrupte Halbling in den Grotten, die von seinen Ogern bevölkert waren. Wackere Matrosen der Neptulon sagten ihre Unterstützung zu, als es in Beibooten an Land ging, während Kommodore Reeper die übrige Ogermannschaft auf dem Flaggschiff des Konzilkapitäns ablenkte und sich ein Seerennen lieferte inmitten der verschleiernden Nebelbänke.
Die Oger erwiesen sich als harte Gegner, die mit wenigen Streichen einen gestandenen Krieger zerschmettern konnten. Nicht wenige Register an Magie und Heilkraft mussten aufgewandt werden, um selbst mit großer Überzahl die Ungeheuer zu überwältigen und endlich in den tiefsten Ebenen, einem verlassenen Goldstollen, auf den Entführer und Entführten zu treffen.
Ein missgestalteter Oger trug bei sich und in sich mehrere verderbte Relikte guten und rechtschaffenen Glaubens, ein ganzer Waffenschrank im Fleisch des Ungetüms. Der Kampf entbrannte und trotz der Überzahl wähnte sich der mörderische Halbling stets siegesgewiss. Magie und Klinge konnten Griffo kaum beikommen und seiner eigenen finsteren Magie.
Den Höhepunkt aber stellte besonderes Artefakt dar, welches mit seinem Einsatz den Hin in Spiegelsplitter zerfallen ließ, die sich mehrten und mehreren Kopien aus ihnen herausfallen ließ. Allesamt mit den einzigen Gefühlsregungen auf den Fratzen, die er wohl noch kannte. Hass, Abscheu, Verachtung …
Unter dem Ansturm so vieler Attentäter forderte es doch bedrückend viel Blutzoll aller Abenteurer und die Vervielfältigung der Kopiescherben stellte eine Hürde da, je aus dem Gefängnis zu entkommen, das Griffo ihnen damit bereitet hatte. Selbst als Magil Salzbart endlich eintraf, um Feuerkraft zur Seite zu stellen, schien es aussichtslos.
Gemeinsam fanden sie aber inmitten aller Scherben von Griffos Geist eine letzte, die einen anderen Halbling zeigte. Ergriffen sahen sie mit einem Übertritt in einen letzten, versteckten Bereich den alten Freund Salzbarts. Ein Halbling, der wagemutig war, aber nicht grausam. Der einst mit dem Zwerg Ogerkönige ohne Gewalt überlistet hatte, Baneiten Besen als Schwerter verkaufte, Sklavenkinder befreite …
Aber dieser letzte Nachhall Griffos war nur noch das. Verborgen allein durch das Spiegelartefakt barg er seine gesamte Existenz. Sein Schicksal war besiegelt gewesen, als er auf seiner Flucht aus der Zhentilfeste mit Magil einem letzten Drang von Neugier und finsterer Einflüsterung gefolgt war, um eine Kammer aufzusuchen, wo ein Buch lag. Rabenschwarz war der Ledereinband, in dem eingeprägt ein Muster kleiner grinsender Schädel zu sehen war. Szenen von Chaos und Folterqualen, überzogen mit Sonnenstrahlen waren im Hintergrund zu sehen. Golden und schwer waren die geöffneten Haltespangen des Buches. Ein faustgroßer Schädel starrte auf dem Einband dem Betrachter entgegen. Und einmal begonnen zu lesen, konnte der Halbling nicht mehr halten. Man sah das Grauen in seinem Gesicht jener fragmentarischen Erinnerung und jene Verwandlung hin zu dem Cyricer, der keine Scheu hatte, Echsenmenschen bei lebendigem Leibe zu häuten.
Griffo war vergangen – aber mit einem letzten Gebet an Brandobaris schenken die Abenteurer ihm Frieden. Oder zumindest die Gewissheit, dass seine pervertierte Gestalt keinen Schaden mehr anrichten würde. Der Tod jenes Spiegelfragmentes zollte auch den Tod des Griffos jenseits dieser Welt, die damit verging.
Magils Trauer und Zorn war unermesslich. Der lachende Zwerg, der Rache schwor an Cyric und seinen Schergen, dass sein Freund ihm so geraubt worden war.

Im Gang zurück zu ihren Schiffen konnte noch der Leuchtturm gesäubert werden von einem letzten Ogerwächter, der ein Nebelhorn mit verblassten Verzierungen gehütet hatte. Das Licht kehrte zurück, um sichere Fahrt zu gewährleisten.
Der missgestaltete Oger, der die verderbten Relikte in sich getragen hatte, war von einigen befreit worden und stumm mit an Bord genommen, auch wenn die Matrosen sichtlich skeptisch waren. Immerhin hatten seine Artgenossen bis vor kurzem noch versucht sie alle zu fressen und Bjoskar den Nordmann im Gefecht zermatscht.

Griffos Flaggschiff, die Ungezähmt, war nach seinem Ableben davongesegelt. Und mit ihr eine Seite des verderbten Buches, die sie versprochen hatte, zu vernichten. Zumindest hatte die Neptulon aber in der Zeit keinen erheblichen Schaden genommen. Einige Felsen hatten sie gestreift und auf der Fahrt musste man ausbessern, aber man war noch seetauglich.

Mit all diesen Eindrücken stachen Lucas Schiff, Magil und Kommodore Reeper also wieder in See. Die finsteren Gewitterwolken über Valgard wurden dichter. Etwas lag in der Luft … ein Kommen von etwas Großem. Und der Sturm der Echsenmenschen würde bald in der Bucht stattfinden. Es blieb nur wenig Ruhe für die Gefährten auf ihrer Fahrt, um sich von ihren Wunden zu erholen und einige Zauber in Meditation oder Gebet wieder zu erlangen.
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#12

Lucas Weg nach der Audienz führte sie zuerst einmal zur Arena. Ihre Kiefer schmerzten vom langen Zähneknirschen und -mahlen vor und während der Begegnung mit dem Fürsten und sie brauchte einen guten Schluck Rum, oder auch mehrere.
 
Beim Weg dorthin fühlte sich der gesiegelte Brief des Fürsten bei jeden ihrer Schritte schwerer und schwerer an.

((Fortsetzung folgt, bin diese Woche nur schwer im Stress aufgrund Arbeit und anhaltender Migräne))
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#13
Brick 

2022-12-01 POST Heilige Messe des Tyrannos nach der Schlacht gegen die Ertrunkenen im Hafenviertel von Valgard

Musik: Two Steps From Hell - Heart of Courage

Die Tyrannos-Klerikerin Keara war nach dem Kampf gegen die Umberlee-Priesterin länger benommen, als ihr lieb war. Eis, Schmerz, Kälte und viel zu viel Wasser und jede Einzelheit der kurzen, aber heftigen Schlacht des Keils aus Tyrannenstreiter, den die Ritterin gebildet hatten sich in ihr Hirn eingebrannt, als müsste sie die Bilder jetzt für immer sehen… für immer das Gefühl durchleben, als die Wassermassen über ihr zusammenbrachen. Doch schlagartig wurden ihre Gedanken klar und sie wusste ganz genau was jetzt zu tun war.

Die Lady führte die Streiter, deren Namen sie sich genau in prägte, zum Tyrannos Heiligtum, ließ sich empfangen und zelebrierte eine große Messe, die die Zurückdrängung der Untoten im Hafenviertel von Valgard feierte und die diese sechs Streiter feiern, die mit ihr den Keil gebildet hatten. Ihre eigene Huldigung kam auch nicht zu kurz, doch der der Name dessen indem Keara alles gewirkt wurde, überstrahlte in grün und schwarz alles, als die Klerikerin den Herrn der Finsternis immer und immer wieder pries.

„TYRANNOS, in EUREN heiligen Namen kämpften wir! Tyrannos in Eurem heiligen Namen siegten wir!“ Am Ende der Zeremonie ließ jeden in der Messe die Macht des Gottes sehen, in dem Keara – so ihr die Kraft blieb nach der heftigen Schlacht - wie sie durch SEINE Kraft SEINE Streiter heilte und ganz zum Schluss sich selbst.

[Bild: 2022-12-01-Huldigung-Tyrannos-nach-Sieg-...algard.png]
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#14

Noch vor den Ereignissen am Leuchtturm

Lucas Besuch in der Arena währte nur kurz genug, um einen ebensolchen Brief an jemanden in Velgard zu schreiben und einem Boten zu übergeben. Es war genau die Zeitspanne, bis die Flut ihren Scheitelpunkt überschritten hatte und mit starker Strömung aus dem hafen gen weite See zurückströmte. Mit dieser setzte die Danlianthol wieder segel und setzte Kurs gen Leuchtturm.

Nach den Ereignissen am Leuchtturm

Langsam sank die noch wärmende Sonne dem fernen Horizont entgegen, die Dämmerung ließ nicht mehr lange auf sich warten. Kein Wind wehte über die stille See, keine Möwe ließ ihr Kreischen erklingen so weit draußen und der salzige Geruch des Meeres kroch über das der Danlianthol sowie der anderen Schiffe. 

Die meisten hatten sich auf Lucas Schiff versammelt und saßen um mehrere Kohlefeuer aus schweren Eisenpfannen herum. Essen und Getränke standen waren aufgetragen worden für diese Versammlung - eine Zusammenkunft um sich von all den schrecklichen Geschehnissen zu erholen, wieder zu Kräften zu kommen und derer zu gedenken, die von ihnen gegangen waren. Lieder wurden gesungen und Geschichten erzählt, Lachen wechselte sich ab mit Trübsal und einigen Tränen.

Als die Dämmerung sich durchzusetzen begann, die Schatten der Masten länger wurden als ob Riesen über die Wellen an den Schiffen vorbei schreiten würden, wies Luca Beidou an, drunten im Lagerraum zwei Flaschen eines besonderen Weins zu holen. Muscheln und andere Verkrustungen hatten sich auf den Flaschen festgesetzt, doch die Wachssiegel waren noch intakt und dunkel glänze die Flüssigkeit darin. Tefnek beendete ihre Melodie und elgte die Sitar aus dem Panzer einer großen meereschucldkröte zu Seite als Luca in die Mitte der Versammelten zwischen die glühenden und glimmenden Kohlebecken schritt.

"Dieser Wein stammt aus meiner letzten Heimat und nach dem Schiffbruch zusammen mit meiner Stiefschwester hier an den Stränden des einstigen hohenbrunns habe ich sie vor zwei Jahren aus ihrem dunklen grab unter den Wellen geborgen." Für einen Moment vesank Luca in erinnerungen als ihre Finger über den Rest des ins Glas geprägten Siegels striffen - einem verschlungenen F, das für einen sehr kleinen Ort namens Farnheim stand.
"Nun .... dies ist ein besonderer Wein. Bei den Hins in den Herzlanden gibt es eine Tradition, die mich immer an unsere Geschichten von 1000 un einem Lagerfeuer aus dem leuchtenden Süden erinnert: den Wein der 1000 Winde. Wenn ein junger oder eine junge Hin zu ihren ersten Abenteuern aufbrechen, setzen die Daheimgebliebenen diesen besonderen Wein auf, indem sie alle verschiedene ausgewählte Zutaten besorgen, die mit den jungen Abenteurer zu tun haben. Wenn der Abenteurer nach vielen, vielen Abenteuern wieder kehrt um davon zu erzählen, wird dieser Wein zusammen mit allen anderen geöffnet, um die Heimkehr zu feiern. Das Aroma des Weins, sein Duft ...einfach alles stellt die Verbindung des heimgekommenen Hin mit seiner Heimat dar und empfängt ihn wieder daheim. Dann erzählt er alle seine Abenteuer und alle, die Teile davon miterlebt haben, ebenso. Es heißt, wenn die Abenteuer spannende genug sind, dann wird beim Trinken und Erzählen der Windgott selbst dazu kommen um zuzuhören und vpm Arome des Weines zu kosten. Und beschwipst wird er die Geschichten mit 1000 Winden weitertragen, überall dorthin wo andere Hin die Abenteuer im Wind hören mögen, nachts in ihren träumen, und selbst beschließen, auf Abenteuer zu gehen. Bestimmt kamen so manche Abenteuer auch in die Geschichten von 1000 und einem Lagerfeuer.

Aber .... der Wein wird aus gemeinsam getrunken, wenn ein Abenteurer nciht zurückkehren kann. Dann trinkt man um sich zu erinnern und erzählt seine Geschichten und Abenteuer ... und wenn man darüber keine Gewissheit hat, dann erzählt man eben was gewesen sein könnte. Wir kannten unseren Gegener nicht, aber wir haben etwas über seine Vergangenheit als Hin erfahren. Daher laßt uns nun auch Griffo dem Abenteuer gedenken, hören wir die Geschichten von seinem zwergischen Freund und Gefährten aus glücklicheren Tagen. Ich bin sicher, Shaundakul wird sich zu uns gesellen, vom Wein kosten, den Geschichten lauschen und sie in 1000 Winden über die See tragen und in die Träume junger Hins. Die Weisen sagen, solange man sich an die Gesshichten einer Person erinnert, ist sie nicht wirklich vergangen. Eines Tages wird man unsere Geschcihten an Lagerfeuern erzählen oder auf staubigen papier in dunklen Bücherstuben lesen .. aber egal, denn der Wind kommt durch jede Ritze und lauscht den Geschichten, um sie weiter zu tragen und so Teil der Geschichte unserer Welt werden."

Luca reichte den Wein zu Salzbart. "Öffne ihn und schenk aus .... und dann erzähl uns von Griffos und deinen Abenteuern".

Damit nahm auch Tefnek ihr Instrument wieder auf, um den Umtrunk und die kommenden Geschichten mit leiden Melodien zu untermalen .. und den Windgott noch mehr anzulocken.

((Die Idee zu diesem Text kam durch die im spannenden Plot offenbarte Hintergrundgeschichte des Gegners Griffo. Ursprünglich sollte es nur den Bezug zu den "Geschichten aus 1000 und einem Lagerfeuer" geben, aber dann kam die Inspiration von diesem Spielevent dazu - und ich denke, die Adaption passt einfach zum Volk der Hin  Wink :
https://www.youtube.com/watch?v=5_vUmnZaaEU ))
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#15

Die gebeutelten Matrosen gesellten sich zwischen der Danlianthol und Neptulon zu dem kurzen Aufatmen, sobald sie versorgt waren und nicht mehr in Lebensgefahr waren. Hier und da wurde eine wackere Seefrau an den Schultern gestützt, damit sie humpelnd noch dazukommen konnte. Verbände zierten sie wie Mumien auf einer Schrecknachtsfeier.
Manche, wie Ferdinand, bluteten noch aus unverheilten Wunden. Martin Behaims Hand war dick eingebunden, nachdem Griffo ihm die Finger einzeln abgeschnitten hatte als makaberes Präsent für Bethsaba.
Andere, wie Salzbart, hatten merklich Wunden in der Seele erlitten. Oder beides.

Bei denen, die unter Griffo am meisten gelitten hatten, zog eine Wolke über die Gesichter, als Luca von diesem anderen Griffo, den kaum einer der Anwesenden kann, sprach. Aber Salzbart fand für einen Moment das Lächeln des Lachenden Zwergen zurück und nahm den Wein.
»Ich weiß noch, als wir damals an den Küsten Aglaronds entlangsegelten …«

Die Zeit verging. Einige zerstreuten sich, andere lauschten aber die ganze Nacht den Erzählungen des Salzbartes, der lachte und bunt ausmalend all die Wagnisse erzählte, die er gemeinsam mit dem verflossenen Halbling erlebt hatte. Geschichten von einem Jahrhundert beinahe.
»… und seitdem ist der Import von Apfelmus in Tay verboten. So wahr ich hier sitze, so war’s, murgmal.«
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#16

((Aktion zur Info-Beschaffung))

Im belagerten Valgard begann Luca mit Ihrer in der Gruppe abgesprochenen Informationsbeschaffung, was die Streitkräfte des Gegners und die der Verteidiger betraf.

Sie richtete sich einen höher gelegenen Beobachtungsposten ein und ließ durch ihre Mannschaft die feindliche Flotte tags und nachts beobachten: wie agieren sie, wo ist das Flagschiff, kommen Versorgungsschiffe, wie weit sind andere Schiffe mit Verstärkung vom Flagschiff entfernt. Dazu sollte das natürliche und unnatürliche Wetter genau beobachtet werden: Flut und Ebe-Wechsel, der Sturm, die vorherrschenden Winde, die Strömung des Flußdeltas.

Bei den Valgardern versuchte Luca, die Verteidigungskräfte zu inspizieren und eventuelle Anregungen anzubringen. Natürlich kontne sie sich kaum wirklich beherrschen dabei  auf die Erfahrungen fünf Jahre zuvor einzugehen, wenn jemand von den Streitkärfte der Siedlung ihre Kampferfahrung in Frage stellte. Auch die Valgard noch verbleibenden Schiffe wollte sie inspizieren sowie wie damals alternative Kampfmöglichkeiten mit allen zusammen erdenken, z.B. den Einsatz von Feuerflößen oder magischen Eisschollen im Strom des Flußes hinaus aufs Meer.
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#17

((Ergänzung zum Ziel der Aktion))

Ziel der ganzen Anstrengungen war mehr über den Aufenthaltsort des Großadmirals in Erfahrung zu bringen. Sollange die Belagerung andauerte und der Feind sich in der besseren Position glaubte, war der Großadmiral weg von der Bucht und zumndiest theoretisch in direkter Reichweite. Würde die Bucht sich ebfreien können udn die Verstärkung zu früh kommen, würde der Großadmiral vielleicht zu fliehen versuchen und ihnen entkommen können. Aber er musste endlich aufgehalten werden, trotz des Risikos: hier und jetzt war er dort draußen. Es fehlte nur ein Weg zu ihm!
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#18

Den höchsten Punkt hatte man zweifellos von dem Herzogshügel aus, wo die Loyalisten und Adligen hausten. Hier war auch Kearas Turm weiterhin im Ausbau – womöglich würde sie Luca ja zubilligen, von dort oben aus zu spähen.
Die Piratenflotte sah man mehr am Horizont – von der Landmasse aus war es schwierig mehr zu erkennen als den Ring geschlossener Schiffe. Von der Seeseite aus wären derlei Bewegungen sicher erkennbar.

Da Lucas Schiff unmöglich in den Hafen hatte einlaufen können, war die Frage, wo ihre Mannschaft war. Sollte ihr Schiff in sicherer Entfernung mit der Mannschaft die Bewegungen von der Seeseite aus beobachten und via magischen Botschaften antworten, die man an sie schickte?
Oder war sie komplett mit Beibooten mit nach Valgard gekommen?

Glücklicherweise war das seetanggrüne Flaggschiff des Großkapitäns, die den einschüchternden Namen »Flottenbruch« trug, unschwer in der Mitte des Schiffsrings zu erkennen. Er präsentierte sich offen und offenkundig ohne jegliche Sorge.
Die Beobachtung des Wetters erwies sich mit Hoffnung auf Regelmäßigkeit als ernüchternd. Es war pures Chaos, unvorhersehbar, selbst für erfahrene Seeleute. Umberlees Zorn ergoss sich hier und die Furienkönigin war wankelmütig wie keine Zweite. Die Winde waren zumeist harsch und heftig, der Regen, der sich auf Valgards Festland konzentrierte, mal schon fast leicht ätzend, mal mehr wie Graupel. Er erschwerte zu allem Überfluss auch eine klare Sicht auf die Dinge. Auch die elektrisierende Spannung war zu riechen und irgendwie … war da ein schwerer, nicht genau einzuordnender Seegeruch. Alt und aus den Untiefen. Während man darüber nachgrübelte, waren da natürlich noch die Untoten, die vor allem jetzt auf der Ostseite noch dezimiert werden mussten.

Die Wasser stiegen vor allem am Strand, der noch umkämpft war, sowie im Kanal – zeitweise war die Brücke, die Ost- und West-Valgard verband, unter Wasser und Bewegungen der Truppen unmöglich. Sandsäcke wurden herangeschafft, um notdürftige den Vormarsch der Wellen einzudämmen.

Direkt inspizieren konnte man die Truppen nicht – die wurden mit strenger Hand von irgendwelchen Offizieren gedrillt. Die genaue Befehlsstruktur war von außen nicht recht erkennbar. Die Oberwachtmeisterin, die die Gruppe bisher herumgeführt hatte, schien einen relativ hohen Rang inne zu haben, zumindest der Reaktion der meisten Gardisten nach zu urteilen. Da Kriegsfall herrschte, wurden auch Bürger zwangsrekrutiert und ausgestattet. Lucas angeführte Erfahrung wurde von den Truppenführern auch eher belächelt. Man war sich nach der Ansprache des Seneschalls mehr denn je bewusst, dass es auf Valgard ankam, damit Amdir nicht dem Untergang geweiht sei.
Klar war aber, dass es die Soldaten bzw. Gardisten gab, die Arkanisten der Magiergilde, die eigene Untote Arbeiten verrichten ließen oder einige der feindlichen auf ihre Seite gezogen hatten, sowie die örtlichen Tempel. Sehr prominent der des Tyrannos, aber auch einige andere Tempelvertreter waren zu sehen. Eine alte Magierin mit wilder Sturmfrisur, die von einem ätzenden, kaum zu beschreibenden Gestank umweht wurde, hatte eine kleine Armee von Mephiten, die durch Valgard flatterten und Kommunikation aufrechterhielten oder Luftangriffe auf Untote ausübten.

Die Schiffe dagegen durfte sie inspizieren – mit Ausnahme des Seneschall’schen Hauptschiffes. Es waren 5 kriegs- und hochseetüchtige Schiffe. 3 davon waren in bestem Zustand (eingeschlossen des Seneschall Schiffe), 2 waren noch etwas beschädigt von Piratenüberfällen der letzten Zeit. Die übrige Valgard-Flotte war in den Jahren der Überfälle offenkundig dezimiert worden. 10 Handelsschiffe wurden derzeit ausgebaut, um einen Vorstoß wagen zu können. Sie würden gegen eine komplette Piratenmannschaft wohl nicht lange bestehen, aber etwas Zeit schinden.

Der Wellengang machte es eigentlich unmöglich, ohne selber auf mächtige Magie zurückzugreifen, Flöße aufs Meer zu senden. Die Wellen rollten wie berittene Lanzenträger gegen das Festland.

Die Sorge, dass Verches fliehen könne, war natürlich berechtigt. In seiner jetzigen Position hielt ihn wenig davon ab, einfach zu drehen und zurück in die Piratenbucht oder auf hohe See zu segeln.
Wollte man sichergehen, dass es kein entkommen gab, würde man die Piraten tiefer in die Bucht locken müssen. Ob mit einem Opferlamm oder einem verzweifelt anmutenden Vorstoß oder einem ganz anderen Manöver war wohl den Denkern überlassen.
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#19

Der Schlachtplan war gefasst.
Die valgarder Führung teilte die Bedenken, dass Grandvallimos beim ersten Anzeichen von Niederlage einfach auf und davon segeln werde, entsprechend gewagt war das Manöver, welches aus ihren Reihen kam.
Das, was von der Flotte Valgads übrig geblieben war, wurde bemannt, allen voran das Schiff des Seneschalls, der in See stechen werde, um Verches herauszufordern. Solch einer Einladung konnte der gierige Pirat nicht widerstehen, so die annahme. Fiel der Seneschall, fiel Valgard. Sobald sich die Piraten auf die Schiffe der Verteidiger stürzen würden, tiefer in die Bucht, die ihr Seegrab werden sollte gelockt, müsse die Verstärkung, die Flotte aus der Piratenbucht, schon absehbar sein.

Derweil oblag es den Schattenwinden zu Lucas Schiff, der Danlianthol, die an der Küste des Hirschdeltas ankerte, zurückzukehren und bei diesem Vorstoß von hinten zuzuschlagen. Natürlich wäre ein offener Seeangriff allein Selbstmord. Aber es bot einen guten Ausgangspunkt, um in magischen Wolken verhüllt, zusätzlich getarnt von einem Schwarm Dampfmephite aus dem Beschwörungskreis von Cruella Finsterbusch, an Verches’ Schiff selbst zu gelangen. Gleichsam sollten die Mephite von Magma und Feuer Unruhe stiften auf den restlichen Schiffen und so auch der Valgard-Flotte Zeit kaufen. All das sollte die Piratenarmada in eine Lage bringen, aus der es kein Entkommen gab, wenn die verbündeten Konzilskapitäne anrückten.

Einzig beunruhigend blieb, was die Umberliten bislang getrieben hatten. Das Aufgebot an Untoten war sicherlich nicht das letzte gewesen. Es lag etwas schicksalhaftes in der Luft. Würden sie es aufhalten können, ehe es Valgard und einen guten Teil der Insel verschlang?
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