Amdir - Insel der Hoffnung - Forum

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Valgard

Das Murren und Rumoren wurde dieser Tage lauter und lauter. Erst hatte man die Entbehrungen gut verkraftet. Dass sich Bauprojekte ein wenig hinzogen, war annehmbar. Nicht für alles brauchte man Holz oder externe Handelsgüter. Aber die Ressourcen erschöpften sich. Glücklicherweise mussten die Valgarder keinen Hunger leiden, aber viele Annehmlichkeiten, viele Träume lagen seit geraumer Zeit im Sterben.
Einige vermögende Händler besuchten die Stadt weniger und weniger. Andere reisten vorerst aus ihren neuen Niederlassungen ab. Und die Arbeiterklassen waren öfters betrunken vor 10 denn je. Die herzogliche Garde sorgte natürlich brutal diszipliniert für Ordnung. Trotzdem war der Unmut greifbar und wuchs wie ein Geschwür.
Valgard – Hafen


Als wären die vielen Rückschläge der jungen Nation bisher nicht genug gewesen, klagten die Fischer seit neuestem über ausbleibende Fänge. Sonst hatte man reichlich in den Netzen gehabt, aber die Fischschwärme schienen beinahe dieser Tage die Gewässer hier zu meiden.
Weiter und weiter war man gezwungen hinauszufahren und oftmals doch mit karger Ausbeute heimzukehren.
Valgard – Umland


Es waren Monde ins Land gezogen. Monde des Wachstums. Still und leise war dort vor den Mauern Valgards, weit im Süden, eingekuschelt zwischen den Sumpfausläufern und den unwirtlichen Anfängen der windigen Südküste, ein neues Eichen-Wäldchen gediehen. Zu verdächtig schnell, um in solcher Pracht schon zu gedeihen. Aber auch nicht über Nacht.
Herzogsgardisten beobachteten das Wachstum aufmerksam und endlich war die Zeit gekommen, dass die ersten Holzfäller dort arbeiten konnten.
Holz blieb noch rar, aber … endlich konnten die wichtigsten Arbeiten wieder voranschreiten.
Nur ein Name für das junge Herzogswäldchen blieb noch aus.
Valgard – Hafen und Slums


Es war wie ein Sturm, der sich zusammenbraute. Bereits geraume Zeit war die Unzufriedenheit der Fischer bekannt, seitdem die Fischzüge wie auf magische Weise aus den umliegenden Gewässern verschwunden waren. Weiter hinaus auf die See war zu gefährlich, nicht zuletzt wegen umherziehender Piraten. Hatte der Staudamm des Frustes aufgrund der zunehmenden Last erste Risse bekommen? Oder gab es einen anderen Funken, der auf diesen nährbaren Boden gefallen war, so dass sich ein Lauffeuer durch die Bevölkerung ausbreitete?

Fest stand, dass die zunehmend verarmten Fischer und von ihnen abhängige Berufszweige auf die Barrikaden gingen. Laute Protestschreie johlten durch die Straßen. Steine flogen, zusammengeschusterte Planken mit Nägeln kamen zum Einsatz. Keine ernsthafte Bedrohung für die Ordnung Valgards, wie die disziplinierten Wachen sogleich mit harter Hand zeigten. Die anständigeren Bewohner wurden angehalten, die Hafenbereiche vorerst zu meiden, während konzentrierte Präsenz von Uniformierten dort für Sicherheit und Frieden sorgte.
Valgard – Hafen, Slums & See


Die brutal niedergehaltenen Aufstände, die sich wie ein Lauffeuer in den herunterkommenden Teilen der stillgelegten Hafenanlagen ausbreiteten, kamen dieser Tage zu einem spannungsvollen, aber unblutigen Patt, als ritterliche Unterhändler der Tyrannenbrigaden sich der existenziellen Nöte einstweilen annahmen und das Elend der letzten Jahre erstmals in den Fokus geriet. Brot und Wasser für die verwahrlosten und vergessenen Fischer mochten manche Entbehrung zwar nicht beseitigen, aber doch einstweilen wie eine kühle Brise Linderung verschaffen. Es bedurfte wenig Investigation, um feststellen zu müssen, dass die Ursache für die nun blutigen Auseinandersetzungen nicht allein die gesteigerte Lage der Fischer war, sondern nicht zu geringem Teil durch das Aufbrausen von Umberlee Priesterinnen, die mutmaßlich nicht zum festen Klerus vor Ort gehörten, ferner aus der Piratenbucht eingeschleust die Unruhe und Chaos, wie sie der Furienkönigin geziemte, verursacht worden war.

Während die Gespräche mit erstaunlicher Geduld die harte Hand der Garde für den Moment beschwichtigte, sollte sich rasch zeigen, dass dies nur die Ruhe vor dem eigentlichen Sturm war.
Am Horizont Valgards sah man sie bald schon. Schiffe. Schiffe mit schwarzen Segeln. Skelettschädel mit Flottenadmiralshut und Ogerschädel mit Kleeblatt. Eine einst lose Truppe von Piraten, die der zwar jungen, aber aufstrebenden Macht Valgards nicht das Wasser hätte reichen können, war angewachsen zu einer kleinen Flotte und ihr Kurs war die Stadt aus der Asche zur Glorie selbst.
Eine dicke Wolkendecke legte sich wie ein unheilvoller Schatten über die Bucht, in der Valgard lag, und fröstelnde Winde trieben die unruhige See höher und höher. Wollte man den Geschichten glauben, da selbst die stolzen Elfenlande dereinst von Umberlee abgeschlagen wurden von der Hauptinsel und daraus die trostlosen Auen werden sollten, war das Schicksal Valgards höchst ungewiss.
Valgard – Hafen, Slums & See


Mehr und mehr Schiffe verdunkelten den Horizont. Eine kleine Flotte von Schiffen ungleichen Baus, aber allesamt mit klaren Fahnen. Ogerschädel mit Kleeblatt auf der Stirn, ein Schädel mit Flottenadmiralshut. Einige waren klein und wenig, andere groß und prächtig. Einige eindeutig von Valgard gestohlen und umfunktioniert. Sonne suchte man vergeblich, als die Wolken als schwarze, erdrückende Ballen über den Himmel rollten, gepaart mit zunehmendem Wind, der den Geruch der See mit sich trug.
Die Bucht war komplett blockiert von den anliegenden Piraten, als ein seetanggrünes Pinasschiff hervorstach. Noch etliche Seemeilen entfernt schallte dennoch klar vernehmlich in der ganzen Stadt eine Stimme wie die unbarmherzige Brandung Umberlees selbst heran.

Valgard!
Zzzzzzu lange war ich, Großßßßkapitän Grandvallimosssss, äußßßßßersssst nachssssichtig mit Euren kleinen Herrssssschern. Doch diessssen Fehler korrigieren wir nun.
Eure Herren wagten esssss MICH zzzzu besssstehlen – und damit Umberlee.
Wissssset, dassssss niemand die Ssssssee bessssstehlen kann. Früher oder sssspäter holt sssssie sssssich, wasssss ihr zzzzzussssteht. Wir ssssssind gekommen, EUCH zzzzzzu holen. Unterwerft Euch – oder sssspürt den Groll der Furienkönigin und ihressss Gessssandten.
Wenn die Sssssonne untergeht, erwarte ich die Kapitulation.


Ruhig war die Stimme, wenngleich sie wie ein grollender Donner über die Bucht hinwegrollte. Eine alarmierende, verunsichernde Ruhe lag darin. Leute kamen aus ihren Häusern, ließen ab von ihrem Tagewerk und lauschten dem Invasor.
Ihre Herrscher hatten ihn erzürnt? Umberlee selbst? Was ging hier vor?
Fragen häuften sich, Rufe wurden laut. Klarer indoktrinierte Bezirke und Gruppen wie die Bauern hielten sich an den tyrannischen Tempel und waren sich sicher, dass dies nur ein illegitimer Anspruch eines Möchtegern Piratenfürsten sein konnte. Andere wagten aber den größten Verrat in Valgard: sie hinterfragten ihre Herrscher. Menschengruppen sammelten sich überall, verlangten Antworten von den Herzogsgardisten. Mengen fluteten an den Fuß des Herzogshügels, der militärisch sauber abgesperrt wurde. Die Sonne stand noch vormittäglich hoch und rund.
Valgard


Der große güldene Ball Lathanders, dem Munkeln nach manche aufmüpfigen Bauern gar noch huldigten, versank im endlos gierigen Schoß Umberlees. Keine Kapitulation vom Herzogshügel ward verkündet.
Und abermals erklang jene Stimme, selbst wie eine wütende Welle, über die See und spülte über die Geister der Bewohner.

Valgard!
Lange genug habe ich meinen Großßßßmut bewiessssen. Eure Zzzzzeit isssst gekommen! Sssssehet Umberleesss Zzzzzorn, der ssssich über euch ergießßßßt und verzzzzweifelt!


Stille nach den Worten des Großkapitäns der Piratenbucht. Bürger wandten sich verunsichert der See zu. Viele kannten die Geschichten der Dunklen Auen. Würde eine Welle sie einfach verschlingen? Seit geraumer Zeit hingen schwarze Wolken über ihnen, war Wind und anbahnender Sturm als aufmüpfiges Brausen in ihren Ohren.
Aber keine Wellen türmten sich.
Dafür mehrten sich Schreie im anbrechenden Dunkel.
Zuerst im Hafenteil, als die zuvor noch rebellischen Fischer in heillose Panik verfielen. Weißes und bläuliches, aufgequollenes, aufgedunsenes Fleisch erhob sich aus dem kalten Nass. Haar wie klebriger Seetang hing den Leichen in die zerfressenen Gesichter. Ertrunkene, deren Gurgeln von der letzten Umarmung Umberlees kündete.
Mehr und mehr, erst dutzende, dann mussten es bald hunderte schon sein, die aus der See sich erhoben und mit ihren verschrumpelten Fingern nach den Holzplanken tasteten oder über den Strand gen Herzogshügel marschierten.
Manche hoffnungslosen Fischer warfen sich nieder, als der Zorn der Furienkönigin endlich Gestalt annahm, hofften auf Erlösung – doch rasch wurden sie bei lebendigem Leibe zerrissen und jene mit mehr Verstand nahmen die Beine in die Hand, unterwarfen sich nun noch den zuvor angefeindeten Gardisten und Tyrannen, im Gesicht das blanke Entsetzen.

Mit gewohnter Struktur wurden die Truppen Valgards rasch verteilt, um eine Ausbreitung der Ertränkten zu verhindern und die Bevölkerung zu schützen. Am Westufer hielten die Tyrannosstreiter die Untoten zurück, gemeinsam mit Magi des Collegiums, die ihre eigenen Untoten ins Feld führten. Am Ostufer hieben die Herzogsgardisten Schlag um Schlag die Angreifer zurück, nicht wenige davon in heruntergekommenen Uniformen Valgards selbst – Opfer der Piratenangriffe der letzten Jahre.
Was an Aufständen sich hatte anbahnen können, erstarb angesichts dieser erdrückenden Masse des Todes, als man sich an die Herrscher wandte, sie zu schützen.
Ganz Valgard

Das Unwetter hatte zugenommen. Der Regen peitschte erbarmungslos auf die Gardisten, die vor den Türen gegen das Aufgebot der Ertränkten streiten mussten. Abstoßender Gestank ihrer Leichen begann den Kanal zu verpesten, bis ins fruchtbare Feldland vorzudringen. Zermürben sollte man Valgard und seine Bewohner, das war klar.
Als sich die erste Schamesröte am Horizont zeigte, durchschnitt eine Stimme abermals das Tosen des Sturms. Aber diesmal war es nicht die des selbsternannten Piratenfürsten. Ehrfurchtgebietend donnerte sie schlimmer als jedes Grollen in den Wolken über die gesamte Stadt. Wie ein Mann (oder eine Frau) hielten die Verteidiger und Bürger inne.

Glorreiche Nation Valgard!
Horche auf! Denn die Stunde ist gekommen, da nach uns verlangt wird!
Ihr seht die verlotterten Räuber vor unserer Pforte, unserem Land, das unser göttliches Recht von Geburt an ist. Und ihr seht sie feige die Ertränkten der Meere gegen unsere tapferen Bürger aufmarschieren lassen!
Doch nicht mehr!
Dies ist unsere Stunde, meine Kinder. Die Stunde der Nation Valgards.
Nach uns wird verlangt als dem Schild Amdirs - unser Erbe für diese Insel.
Ohne uns dem Untergang geweiht fällt es uns in dieser Stunde zu, dem Sturm der Furie und ihrer Schergen zu trotzen!
Mîrhaven kommt zu uns, um die Flut abzuwehren - und wir haben sie erhört! Wir werden die Gewässer rotfärben mit dem Blut der Emporkömmlinge! Kein Fehl liegt an uns ihrer Gier nach Macht und Reichtum zu widerstehen!
DIESE STUNDE IST DIE STUNDE VALGARDS!


Der Seneschall hatte gesprochen. Bislang war man in der Defensive gewesen, überrascht von dem heimtückischen Angriff der Piratenflotte. Aber jetzt gab es eine Order. Eine klare Anweisung. Jubel toste lauter als die Sturmböen. Zwangsverpflichtete Bürger wurden mit Rüstzeug ausgestattet, als der kürzlich zurückeroberte Hafendistrikt mitsamt den verbleibenden Valgard Schiffen bemannt wurde. Seneschall Isenberg von Krähenfels war am Strand der Ostufer Valgards zu sehen, wie er die Ertränkten niederschmetterte und seinen Untertanen beistand für den baldigen Angriff auf die ruchlosen Piraten.
Ganz Valgard

Nach der verheerenden Seeschlacht gab es viel in der Südwindbucht zu tun. Die gesamten Strandanlagen mussten wiedererrichtet werden. Die verbliebenen Schiffe wieder geflickt, die zerstörten ersetzt werden. Tote gab es so viele, dass die Totenpriester alle Hände voll zu tun hatten, selbst ohne die aufmarschierten Ertränkten. Die Bucht war voll der Krakentinte, die noch Zehntage, ja Monde alles dort in düsteres Schwarz tauchte, dass mancher schon von der Düsterbucht, der Maurormos sprachen.
Auffällig waren auch, dass statt der Möven Krähen über dem Festmahl kreisten. Nicht wenige schrieben dies dem Kriegserfolg des Seneschalls zu und nannten diesen Einschnitt in die Geschichte Valgards die Zeit der Krähen oder das Festmahl der Krähen.
Trotz der vielen Toten, wovon die meisten allerdings in der Tat feindliche Piraten gewesen waren, war man guter Dinge. Jeder hatte seine Pflicht der Nation gegenüber erfüllt und würde ein Eckstein sein auf dem Pfad zu größerem.
Vor allem die gebeutelten Fischer erfreuten sich an den Krakenarmen, die man begann auszuschlachten.
Bauernfurt


Zu den späten Nachtstunden, da der Wolf heult und alle guten Seelen der Gehöfte bereits in ihren Häusern waren, wohl behütet von den patrouillierenden Gardisten Valgards, kam ein Aufgebot offizieller Natur zusammen. Gerüstete Kriegerinnen und Kämpfer unter der weisen Aufsicht des ehrenwerten Botschafter Valgards, Willimacus Dornmaar, traten an der Kreuzung nahe des heiligen Tyrannosschrein auf. Wie einige allzu neugierigen Bauern, die durch ihre Fensterverschläge lugten, zu berichten wussten, soll ein junger Knabe bei ihnen gewesen sein und eine Mîrhavenerin?
Ihnen entgegen kam ein Tross von Totenpriestern mit einem Transportwagen, gezogen von einem mächtigen Esel. Schließlich wurde ein Sarg von den Offiziellen Valgards in Empfang genommen und Knabe und Mîrhavener zogen ihrer Wege.